Toleranz

Gedanken zum Umgang mit der Trauer nach dem Flugzeugunglück, das Haltern so stark getroffen hat.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht. Ich selbst bin zeitweise noch aufgewühlt. Dennoch habe ich das Gefühl, wir können hier in Haltern uns mehr in Toleranz üben und uns fragen, wie gehen wir hier miteinander um.

Trauer ist nicht bei jedem gleich

Es gibt Menschen in Haltern, die gar nicht von dem Flugzeugabsturz betroffen sind. Manche von denen können es kaum noch aushalten, häufig mit diesem Thema konfrontiert zu werden. Wenn sie sagen, jetzt reicht es, werden sie beschimpft.

Andere trauern so stark mit den Angehörigen, dass sie selbst noch häufig an den Flugzeugabsturz und die betroffenen Familien und Freunde denken.

Dann gibt es die betroffenen Familien und Freunde, die mit ihrer Trauer sehr unterschiedlich umgehen. Sie müssen ihren Weg finden.

Trauer ist nicht bei jedem gleich.

Ich werde ganz empfindlich, wenn mir gesagt wird, wie ich zu fühlen und wie ich mich zu verhalten habe. Das ist leider passiert. Meine Haltung dazu ist, Gefühle zunächst einmal wahrzunehmen. Und sie dürfen auch in der jetzigen Situation sehr unterschiedlich sein. Unterschiedlich von Person zu Person oder auch in einem Selbst. Da ist alles so wie es ist richtig.
Ich liebe das Motto des Elternkurses Starke Eltern – Starke Kinder: „Alle Gefühle sind erlaubt und werden akzeptiert, aber nicht alle Handlungen.“

Auch wieder fröhlich sein

Jetzt steht der Erste Mai an und der wurde (und wird) von vielen in Haltern ausgiebig und fröhlich begangen. Und allen, für die es sich gut anfühlt, wünsche ich, dass sie diesen Tag genießen können. Wir können auch wieder fröhlich sein. Es ist nicht jede und jeder unmittelbar betroffen und das können wir uns auch bewusst machen. Und wir dürfen uns auch von der Fröhlichkeit anstecken lassen, die zum ersten Mai dazugehört. Es hilft keinem, auch nicht den Angehörigen, wenn wir schamvoll unsere Fröhlichkeit verstecken.

Wenn jemand spürt, dass solche Feiern noch nichts für ihn sind, sollte das auch zur Kenntnis genommen und entsprechend für sich gesorgt werden. Da muss der Einzelne seinem Gefühl vertrauen. Mir würde es aber gar nicht gefallen, wenn erwartet würde, das alle anderen auch so denken und sich genau so verhalten.

Toleranz für die Partyzone

Besonders schauen viele zum WUP. Wie jedes Jahr wird der WUP zur Partyzone gemacht. Ich weiß, dass sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen schon Gedanken machen, wie können wir dieses Jahr dort feiern und trotzdem Rücksicht auf Trauernde nehmen.

Ich fände es toll, wenn wir es hinbekommen, jeden der will, dort feiern zu lassen und ihnen keine Vorwürfe zu machen.

Wenn wir eines jetzt lernen können, dann ist es das: wir haben alle unterschiedliche Bedürfnisse und wir können unsere und die der anderen tolerieren.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen achtsamen ersten Mai.

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Kommentare

Toleranz — 1 Kommentar

  1. Ich denke Alles im Leben hat seine Zeit, die Trauer,Freude,Liebe,Zufriedenheit,Glück etc. und das zu Leben sollte Jedem möglich sein. Es gibt sicherlich auch in Haltern Menschen die schon vor dem Unglück getrauert haben und parallel gab es Feierlichkeiten. Das Leben muss weitergehen und die freudigen Gedanken und Erinnerungen an die verstorbenen ihren Platz finden. Vielleicht in Form von Gesprächen in geselliger Runde um über diese Freunde, die nicht mehr da sind zu reden und über gemeinsame Erlebnisse zu lachen.

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